International Journal of Sociology of Agriculture and Food (IJSAF)

Zeitschrift, erscheint zwischen ein und drei Mal jährlich (seit 1991)
www.csafe.org.nz/ijsaf/index.htm (bis 2007)
www.ijsaf.org
(vemutlich die aktuelle Webseite)

Das International Journal of Sociology of Agriculture and Food (IJSAF) ist eine offizielle Publikation des Research Committee on Sociology of Agriculture and Food (RC-40) der International Sociological Association (ISA). Das Journal publiziert «theoretical and empirical articles in the general area of the sociology of agriculture and food. This includes the study of labour, production, market, policy, technology, and global and local change.» (vgl. die Selbstbeschreibung auf der alten Homepage und auf der neuen). Die Zeitschrift bietet wenige Texte mit historischem Fokus und die Texte varriieren zwischen eher abstrakten (The Role of Trust and Moral Obligation in Beef Cattle Feed-lot Veterinarians’ Contingent Adoption of Antibiotic Metaphylaxis Recommendations) und eher eingängigen Themen (Changes in Food Chains in the Context of Globalization).

Bezüglich der Zugänglichkeit der Texte verfolgt das IJSAF eine bemerkenswerte Strategie: Sämtliche Texte sind frei einsehbar.

 

Gastronomica: The Journal of Food and Culture

Zeitschrift, erscheint 4x jährlich, seit 2001
University of California Press, Journals + Digital Publishing: Berkeley
www.gastronomica.org

In der Zeitschrift Gastronomica werden seit 2001 Beiträge zu Esskultur und Essforschung publiziert. Dabei geht es nicht nur um die wissenschaftliche Wahrnehmung und Verarbeitung von Essen und Esskultur. Explizit sollen auch der Genuss und die Ästhetik von Essen behandelt werden. Entsprechend ist die Zeitschrift eine Mischung aus unterschiedlichsten Texten im Spannungsfeld zwischen Essen und Kultur: Von Gedichten bis zu wissenschaftlichen Abhandlungen, verteilt über unterschiedlichste Gebiete, wie Geschichte, Literatur oder Soziologie. Bezeichnend für diesen Mix sind die unterschiedlichen Berufsfelder der Autoren: Kochprofis und Historiker gehören ebenso dazu wie Architekten, Photographen, Dichter, Künstler und andere. Der Anspruch die Freude am Essen anzuerkennen, wird hier auch gestalterisch eingelöst. Unter den Zeitschriften zu Essen und Esskultur ist Gastronomica eine der schönsten.

Die Zeitschrift ist aufgrund ihres Fokus schwierig einzuordnen. Es ist jedoch festzustellen, dass die Herausgeberschaft aus dem universitären Umfeld kommt. Die Gründungschefredakteurin Darra Goldstein beispielsweise ist Professorin am Williams College und gab zusammen mit Kathrin Merkle Culinary Cultures of Europe: Identity, Diversity and Dialogue heraus. Im Beirat der Zeitschrift sitzen zudem einige illustre Gäste wie Sidney W. Mintz.

Die Webseite der Zeitschrift bietet zudem einige interessante Information, wie z.B. die  Bücherliste und die Liste zu Food on Films. Letztere war ursprünglich auf der Gastronomica-Webseite einsehbar, ist jedoch mittlerweile nur noch über IMDB verfügbar.

Für Angehörige der Universität Zürich ist Gastronomica über JSTOR mit einem Moving Wall von drei Jahren erhältlich.

Society for the Anthropology of Food and Nutrition (SAFN)

Organisation; Blog, mehrere Beiträge pro Monat
Offizielle Webseite der Gesellschaft
Wikia-Beitrag zur SAFN: anthrotheory.wikia.com/wiki/Society_for_the_Anthropology_of_Food_and_Nutrition

Die Society for the Anthropolgy of Food and Nutrition (SAFN, in Deutsch etwa: Gesellschaft für die Anthropologie von Essen und Ernährung) war früher unter dem Namen Council on Nutritional Anthropology (CNA) bekannt und ist ein Mitglied der American Anthropological Association, der weltweit grössten anthropologischen Organisation, und verfügt deshalb über ein gutes Netzwerk. Gegründet wurde die SAFN bzw. CNA 1974 als Reaktion auf das steigende Interesse zwischen den Gesellschaftswissenschaften und der menschlichen Ernährung. Ziele der SAFN (vgl. auch die Version auf der offiziellen Webseite):

  • Die Unterstützung von Forschung und Austausch von Ideen, Theorien, Methoden und wissenschaftlichen Informationen, welche relevant sind um die sozio-kulturellen und politisch-ökonomischen Einflüsse sowie die Verhaltsenfaktoren im Zusammenhang mit Essen und Ernährung zu verstehen;
  • das Bereitstellen eines Forums für die Kommunikation und Interaktion von Wissenschaftlern und Gesellschaften, welche sich mit dem Thema befassen;
  • die Förderung nützlicher Kollaboration unter Sozial- und Ernährungswissenschaftler auf Fachgebiet- und Programmebene.

Es finden sich diverse Buchrezensionen auf der Webseite, wobei die neueste aus dem Jahr 2008 stammt. Der Blog der SAFN kann als Erweiterung und Ergänzung der Kolumnen im Anthropology Newsletter verstanden werden. Die Texte sind qualitativ und inhaltlich sehr unterschiedlich und variieren von beinahe wissenschaftlichen Beiträgen bis zu persönlichen Stellungsnahme, was auch der Untertitel des Blogs verdeutlicht: «Wisdom from the Society for the Anthropolgy of Food and Nutrition». Der Blog führt offenbar die Rezensionen der SAFN weiter.

Der Vorstand des SAFN besteht mehrheitlich aus Wissenschaftlern. Die ganze Liste findet sich hier.

Food and Foodways: Explorations in the History and Culture of Human Nourishment

Zeitschrift, erscheint vierteljährlich seit 2000. Zeitschrift existiert jedoch seit 1985, hatte bis zum Jahr 2000 jedoch einen unregelmässigeren Zyklus, meist ein bis viermal jährlich.

Herausgeber: Routledge, Philadelphia

http://www.tandf.co.uk/journals/titles/07409710.html

Food and Foodways ist eine interdisziplinäre und internationale wissenschaftliche Zeitschrift. Sie beschäftigt sich mit der Geschichte und Kultur des Essens und der Ernährung. Das Journal sieht sich selbst als eine Diskussionsplattform zwischen Anthropologen, Biologen, Ökonomen, Ethnobotanikern, Historikern, Literaturwissenschaftern, Psychologen, Soziologen, Medizinern, Ernährungswissenschaftern und „all jenen, die Essen als Linse ihrer Untersuchungen“ benutzen.

Food and Foodways ist sicherlich eine der wichtigsten akademischen Zeitschriften im Bereich „Essen und Trinken“. Alle Artikel werden mit einem Peer-Review geprüft, einerseits von einem Redakteur, andererseits von drei anonymen Gutachtern, denen der Text ohne Bekanntgabe des Verfassers unterbreitet wird.

Das komplette Editorial Board (u.a. Sydney Mintz, Steven Kaplan) kann hier eingesehen werden.

Abrufbar via ezproxy der ZHB Luzern (EBSCO-Host) seit 1997 oder vor Ort.

 

Forschungsübersichten und Reviews

(gegliedert nach dem Jahr der Publikation)

Ferguson, Priscilla: Eating Orders: Markets, Menus, and Meals, in: The Jounal of Modern History 77/3, 2005, S. 679–700.

«’Food studies‘ has arrived» (679) befindet Ferguson 2005, weshalb sie es für nötig betrachtet eine Forschungsübersicht zu schreiben. Die Einleitung zu ‚Eating Orders‘ ist denn auch über die generellen Entwicklungen und Fragestellungen der ‚Food Studies‘, wobei sie feststellen muss, dass noch keine Einigkeit darüber besteht, wie Essen studiert werden sollte, oder ‚Food studies‘ überhaupt als Disziplin existieren: «On the one hand, university courses and degrees, journals and reviews have carved out a niche for food in the academy. On the other, no theory, no method gives these many studies a common denominator.» (680)

Ihre Übersicht gliedert sie in ‚markets‘, ‚menus‘ und ‚meals‘ und ordnet diesen Gebieten die entsprechenden Publikationen zu. In ‚markets‘ (681–686) geht es mehrheitlich um Publikationen zu bestimmten Produkten, wie Pasta oder Camembert, ‚menus‘ (686–689) behandelt Veröffentlichungen zu den Bedeutungen, welche mit der persönlichen oder nationalen ‚Speisekarte‘ einhergehen, und bei ‚meals‘ (689–699) werden die verschiedenen Aspekte der Mahlzeiten erwähnt, wie soziale Kontrolle, Identität, etc.

‚Eating Orders‘ ist eine sehr gelungene Zusammenfassung und Übersicht der wichtigsten Veröffentlichungen zu ‚food studies‘ bis zum Jahr 2005.

Mintz, Sidney Wilfred / Du Bois, Christine M.: The Anthropology of Food and Eating, in: Annual Review of Anthropology 31, 2002, S. 99–119.

Mintz und Du Bois geben eine Übersicht zu den Publikation auf dem Gebiet der Anthropologie. Primär wird auf Werke nach 1984 eingegangen, die wichtigsten Studien vor 1980 werden aber auch erwähnt. Gegliedert ist die Übersicht in introduction, classic ethnographies, single commodities and substances, food and social change, food insecurity, eating and ritual, eating and identities und instructional materials. Damit werden die wichtigsten Gebiete und Texte erfasst.

Wenn das Volk nur Fressen kann! Geschichte der Esskultur

Mit «panem et circenses» kritisierte der antike Satiriker Juvenal das römische Volk, das sich selbst entpolitisiert habe, geblendet durch Brot und Spiele. Er implizierte damit, dass Nahrung beziehungsweise Nahrungsmittelversorgung bewusst als machtpolitisches Instrument eingesetzt werden kann. Der Ausruf «Wenn das Volk nur fressen kann!» könnte in diesem Sinn als zynisches Statement eines despotischen Herrschers gedeutet werden. Tatsächlich spielt das Zitat aus Nestroys Theaterstück «Lorbeerbaum und Bettelstab» weniger auf politische Ungerechtigkeiten an. Es ist die Aussage eines desillusionierten Künstlers, der sich darüber mokiert, dass sich sein Publikum lieber dem leidenschaftlichen Essen hingebe, als ihm Gehör zu schenken. Essen und Trinken wird damit von Nestroy als kulturelles Konkurrenzprodukt zur Dichtkunst portiert.
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