Gastronomica: The Journal of Food and Culture

Zeitschrift, erscheint 4x jährlich, seit 2001
University of California Press, Journals + Digital Publishing: Berkeley
www.gastronomica.org

In der Zeitschrift Gastronomica werden seit 2001 Beiträge zu Esskultur und Essforschung publiziert. Dabei geht es nicht nur um die wissenschaftliche Wahrnehmung und Verarbeitung von Essen und Esskultur. Explizit sollen auch der Genuss und die Ästhetik von Essen behandelt werden. Entsprechend ist die Zeitschrift eine Mischung aus unterschiedlichsten Texten im Spannungsfeld zwischen Essen und Kultur: Von Gedichten bis zu wissenschaftlichen Abhandlungen, verteilt über unterschiedlichste Gebiete, wie Geschichte, Literatur oder Soziologie. Bezeichnend für diesen Mix sind die unterschiedlichen Berufsfelder der Autoren: Kochprofis und Historiker gehören ebenso dazu wie Architekten, Photographen, Dichter, Künstler und andere. Der Anspruch die Freude am Essen anzuerkennen, wird hier auch gestalterisch eingelöst. Unter den Zeitschriften zu Essen und Esskultur ist Gastronomica eine der schönsten.

Die Zeitschrift ist aufgrund ihres Fokus schwierig einzuordnen. Es ist jedoch festzustellen, dass die Herausgeberschaft aus dem universitären Umfeld kommt. Die Gründungschefredakteurin Darra Goldstein beispielsweise ist Professorin am Williams College und gab zusammen mit Kathrin Merkle Culinary Cultures of Europe: Identity, Diversity and Dialogue heraus. Im Beirat der Zeitschrift sitzen zudem einige illustre Gäste wie Sidney W. Mintz.

Die Webseite der Zeitschrift bietet zudem einige interessante Information, wie z.B. die  Bücherliste und die Liste zu Food on Films. Letztere war ursprünglich auf der Gastronomica-Webseite einsehbar, ist jedoch mittlerweile nur noch über IMDB verfügbar.

Für Angehörige der Universität Zürich ist Gastronomica über JSTOR mit einem Moving Wall von drei Jahren erhältlich.

Society for the Anthropology of Food and Nutrition (SAFN)

Organisation; Blog, mehrere Beiträge pro Monat
Offizielle Webseite der Gesellschaft
Wikia-Beitrag zur SAFN: anthrotheory.wikia.com/wiki/Society_for_the_Anthropology_of_Food_and_Nutrition

Die Society for the Anthropolgy of Food and Nutrition (SAFN, in Deutsch etwa: Gesellschaft für die Anthropologie von Essen und Ernährung) war früher unter dem Namen Council on Nutritional Anthropology (CNA) bekannt und ist ein Mitglied der American Anthropological Association, der weltweit grössten anthropologischen Organisation, und verfügt deshalb über ein gutes Netzwerk. Gegründet wurde die SAFN bzw. CNA 1974 als Reaktion auf das steigende Interesse zwischen den Gesellschaftswissenschaften und der menschlichen Ernährung. Ziele der SAFN (vgl. auch die Version auf der offiziellen Webseite):

  • Die Unterstützung von Forschung und Austausch von Ideen, Theorien, Methoden und wissenschaftlichen Informationen, welche relevant sind um die sozio-kulturellen und politisch-ökonomischen Einflüsse sowie die Verhaltsenfaktoren im Zusammenhang mit Essen und Ernährung zu verstehen;
  • das Bereitstellen eines Forums für die Kommunikation und Interaktion von Wissenschaftlern und Gesellschaften, welche sich mit dem Thema befassen;
  • die Förderung nützlicher Kollaboration unter Sozial- und Ernährungswissenschaftler auf Fachgebiet- und Programmebene.

Es finden sich diverse Buchrezensionen auf der Webseite, wobei die neueste aus dem Jahr 2008 stammt. Der Blog der SAFN kann als Erweiterung und Ergänzung der Kolumnen im Anthropology Newsletter verstanden werden. Die Texte sind qualitativ und inhaltlich sehr unterschiedlich und variieren von beinahe wissenschaftlichen Beiträgen bis zu persönlichen Stellungsnahme, was auch der Untertitel des Blogs verdeutlicht: «Wisdom from the Society for the Anthropolgy of Food and Nutrition». Der Blog führt offenbar die Rezensionen der SAFN weiter.

Der Vorstand des SAFN besteht mehrheitlich aus Wissenschaftlern. Die ganze Liste findet sich hier.

Food and Foodways: Explorations in the History and Culture of Human Nourishment

Zeitschrift, erscheint vierteljährlich seit 2000. Zeitschrift existiert jedoch seit 1985, hatte bis zum Jahr 2000 jedoch einen unregelmässigeren Zyklus, meist ein bis viermal jährlich.

Herausgeber: Routledge, Philadelphia

http://www.tandf.co.uk/journals/titles/07409710.html

Food and Foodways ist eine interdisziplinäre und internationale wissenschaftliche Zeitschrift. Sie beschäftigt sich mit der Geschichte und Kultur des Essens und der Ernährung. Das Journal sieht sich selbst als eine Diskussionsplattform zwischen Anthropologen, Biologen, Ökonomen, Ethnobotanikern, Historikern, Literaturwissenschaftern, Psychologen, Soziologen, Medizinern, Ernährungswissenschaftern und „all jenen, die Essen als Linse ihrer Untersuchungen“ benutzen.

Food and Foodways ist sicherlich eine der wichtigsten akademischen Zeitschriften im Bereich „Essen und Trinken“. Alle Artikel werden mit einem Peer-Review geprüft, einerseits von einem Redakteur, andererseits von drei anonymen Gutachtern, denen der Text ohne Bekanntgabe des Verfassers unterbreitet wird.

Das komplette Editorial Board (u.a. Sydney Mintz, Steven Kaplan) kann hier eingesehen werden.

Abrufbar via ezproxy der ZHB Luzern (EBSCO-Host) seit 1997 oder vor Ort.

 

Forschungsübersichten und Reviews

(gegliedert nach dem Jahr der Publikation)

Ferguson, Priscilla: Eating Orders: Markets, Menus, and Meals, in: The Jounal of Modern History 77/3, 2005, S. 679–700.

«’Food studies‘ has arrived» (679) befindet Ferguson 2005, weshalb sie es für nötig betrachtet eine Forschungsübersicht zu schreiben. Die Einleitung zu ‚Eating Orders‘ ist denn auch über die generellen Entwicklungen und Fragestellungen der ‚Food Studies‘, wobei sie feststellen muss, dass noch keine Einigkeit darüber besteht, wie Essen studiert werden sollte, oder ‚Food studies‘ überhaupt als Disziplin existieren: «On the one hand, university courses and degrees, journals and reviews have carved out a niche for food in the academy. On the other, no theory, no method gives these many studies a common denominator.» (680)

Ihre Übersicht gliedert sie in ‚markets‘, ‚menus‘ und ‚meals‘ und ordnet diesen Gebieten die entsprechenden Publikationen zu. In ‚markets‘ (681–686) geht es mehrheitlich um Publikationen zu bestimmten Produkten, wie Pasta oder Camembert, ‚menus‘ (686–689) behandelt Veröffentlichungen zu den Bedeutungen, welche mit der persönlichen oder nationalen ‚Speisekarte‘ einhergehen, und bei ‚meals‘ (689–699) werden die verschiedenen Aspekte der Mahlzeiten erwähnt, wie soziale Kontrolle, Identität, etc.

‚Eating Orders‘ ist eine sehr gelungene Zusammenfassung und Übersicht der wichtigsten Veröffentlichungen zu ‚food studies‘ bis zum Jahr 2005.

Mintz, Sidney Wilfred / Du Bois, Christine M.: The Anthropology of Food and Eating, in: Annual Review of Anthropology 31, 2002, S. 99–119.

Mintz und Du Bois geben eine Übersicht zu den Publikation auf dem Gebiet der Anthropologie. Primär wird auf Werke nach 1984 eingegangen, die wichtigsten Studien vor 1980 werden aber auch erwähnt. Gegliedert ist die Übersicht in introduction, classic ethnographies, single commodities and substances, food and social change, food insecurity, eating and ritual, eating and identities und instructional materials. Damit werden die wichtigsten Gebiete und Texte erfasst.

FOST – Social & Cultural Food Studies an der Vrije Universiteit Brussel

Universitäres Institut, Studiengang
www.vub.ac.be/FOST

Seit den 1970er Jahren setzte die Geschichtsfakultät der Vrije Universiteit Brussel einen starken Fokus auf den Bereich der Ess- und Ernährungsgeschichte. Mit dem Bedeutungswachstum der Food Studies wurde 2003 mit FOST eine eigene (und methodisch vielfältigere) Abteilung für Social and Cultural Food Studies gegründet. Ab dem akademischen Jahr 2011/2011 bietet FOST die Möglichkeit einen spezialisierten Master-Studiengang in Food History and Culture (PDF) an.

Das Institut arbeitet eng zusammen mit dem Vlaams Centrum voor Volkscultuur, dem Institut Européen d’histoire et des cultures de l’alimentation und dem belgischen Institut National de Recherche Agronomique.

Auf der Webseite des Instituts findet sich eine ausführliche und thematisch gegliederte Link-Liste.

Institut Européen d’histoire et des cultures de l’alimentation (IEHCA)

Universitäres Institut
www.iehca.eu

Das Institut Européen d’histoire et des cultures de l’alimentation (IEHCA) (European Institute for food culture and history) gibt das Magazins Food & History  sowie Les Cahiers de la gastronomie heraus und arbeitet zusammen mit anderen Instituten auch an der Zeitschrift Tables des Hommes.

Das Hauptanliegen des IEHCA ist die Anerkennung der Ernährung als wichtiges Element von Kultur und Gesellschaft. (Als Teil dieses Bestrebens setzte sich das IEHCA zum Beispiel das Ziel, die Französische Küche zum UNESCO Welterbe zuerklären.)
Ein anderer Schwerpunkt liegt in der Erforschung des Zusammenhangs von Ernährung und Heimat. (So wird beispielsweise eigens ein Studiengang namens Fromage et Patrimoine angeboten.) Die IEHCA will sich als weltweit anerkannte Ausbildungsstätte im Bereich der Ernährungskulturforschung etablieren, sowie die Erforschung dieses Bereiches national und international vorantreiben und institutionell im Bildungswesen verankern.

Die Universität Tours arbeitet eng mit dem IEHCA zusammen (Tours ist auch an der Zeitschrift «Tables des Hommes» beteiligt). Finanziert wird das Institut durch eine eigene Stiftung «La fondation pour l’IEHCA» im Rahmen des Institut de France. Unter der Rubrik Réseau kann in der Datenbank des IEHCA nach Forschern, Schlüsselwörtern oder Studienfächern gesucht werden.

Zusammen mit der Villa i Tatti in Florenz (einem Teil des The Harvard University Center for Italian Renaissance Studies), mit der Unterstützung der Fondation Mellon und der Bibliothèque nationale de France stellt das IEHCA eine umfassende online-Bibliographie rund um das Thema Ess- und Ernährungsgeschichte zusammen. Einsehbar unter: www.foodbibliography.eu

The Culinary Historians of Boston

Ausseruniversitäre Interessengruppe
www.culinaryhistoriansboston.com

DieCulinary Historians of Boston sind die älteste Arbeitsgemeinschaft zu Esskulturgeschichte in den USA. Sie sind interdisziplinär ausgerichtet und vereinen ein ausserakademisches mit einem akademischen Publikum: «Our members are academics, chefs, writers, food professionals, and hobby cooks, as well as students of cuisine, women’s studies, history (ancient, medieval, and modern), agriculture, and politics.»

Die Culinary Historians of Boston veranstalten monatlich einen öffentlichen Vortragsabend, eine jährliche Tagung  (das «Annual Banquet») und gestalten einen exklusiven Newsletter für ihre Mitglieder. Die Vereinigung existiert seit den frühen 1980er Jahren.

Oxford Gastronomica

Universitäres Institut mit Masterprogramm
oxfordgastronomica.brookes.ac.uk

Oxford Gastronomica ist ein Institut der University of Oxford, Brookes University. Geforscht wird im Beziehungdreieck von Food, Drink und Culture. Zusammen mit der Burgundy School of Business in Dijon organisiert Oxford Gastronomica ein Masterprogramm in «Food, Wine and Culture», welches sich auf die kulturellen, ökonomischen und politischen Einflüsse der Konsumation von Essen und Wein bezieht. In das Ausbildungsprogramm werden neben Wissenschaftlern auch Schriftsteller, Köche und Weinbauern einbezogen.

 

Food Studies an der New School New York

Nachdiplomstudiengang
www.newschool.edu/continuing-education/food-studies

Food Studies kann als Nachdiplomstudiengang am New School Liberal Arts College in New York besucht werden. Der Studiengang untersucht die Beziehungen von Ernährung und Esskultur mit Umwelt, Politik, Geschichte und Kultur. Der Lehrkörper besteht aus Naturwissenschaftern, Kulturwissenschaftern, Historikern, Unternehmern und Politikaktivisten.

Angestrebt wird eine Ausbildung, «welche die Studenten befähigt, sich in der aufkeimenden Diskussion über Nahrungsproduktion, -verteilung, -qualität und Geschmack zu engagieren».

Die New School for Social Research wurde 1919 von einer Gruppe von Intellektuellen gegründet, von denen einige an der Columbia University gelehrt hatten, zu der ab 1933 auch die University in Exile gehörte. Es waren Pazifisten, die vom Präsidenten der Columbia University zensiert wurden, worauf sie eine eigene Universität gründeten. Diese steht noch heute in der Tradition einer Verbindung von progressivem amerikanischen Gedankengut und kritischer europäischer Philosophie.

Oxford Symposium on Food & Cookery

Universitäres Symposium / Jährliche Tagung
www.oxfordsymposium.org.uk

Das Oxford Symposium on Food & Cookery ist eine jährlich stattfindende, zweitägige Tagung an der Oxford University. Das Symposium ist bestrebt, ein aktuelles Forschungsthema mit möglichst unterschiedlichen methodischen Ansätzen und interdisziplinären Zugängen zu beleuchten. Neben Akademikern aus diversen Gebieten (Naturwissenschafter, Historiker, Soziologen, Anthropologen, Kulturwissenschafter und andere) wird insbesondere der Kontakt zu nichtakademischen ‚Professionals‘ aus der Gastronomie gesucht (Köche, Gastrojournalisten und andere).

Die Tagungsthemata werden jeweils von einem internationalen Kuratorium bestimmt.  («National and Regional Styles of Cookery», «Taste», «Tasting and Feasting», «Public Eating», «Food and Memory», «Authenticity», «Eggs» und viele mehr).

Das Symposium besteht seit 1981 und beschreibt sich selbst als das «älteste und wichtigste» Zusammentreffen dieser Art. Tatsächlich versammelt das Symposium jährlich rund 220 Experten aus den unterschiedlichsten Gebieten und besticht durch seinen multidisziplinären Charakter. Die Tagungsbände veranschaulichen diese Fülle und fassen die Referate jeweils in kurzen (manchmal vielleicht ein bisschen zu kurzen) Artikeln zusammen. Die grosse Anzahl Artikel zeichnet den aktuellen Stand der Forschung ab und macht die Publikationen somit zu wichtigen Arbeitsmitteln, die durchaus auch als thematische Bibliographien benutzt werden können.